Konferenz mit Gott

Schöpfer ist der beste Businesscoach und der beste Chef, sagte vorhin eine Freundin zu mir. Stimmt, denke ich mir. Aber mit der Bezahlung, das hat er noch nicht so drauf, mein Chef, denke ich mir. Was macht man sonst in einem Unternehmen, wenn der Lohn nicht ankommt oder man sich schlecht behandelt fühlt? Man sucht das Gespräch. Ich verschicke also eine Mail an den Schöpfer, in dem ich ihn um eine Besprechung bitte. Dringend, steht da. Prompt öffnet sich ein Besprechungsraum vor mir, eine Kanne Kaffee steht auf dem Tisch, Kekse dabei. Es ist hübsch dekoriert und zwei knuddelige Sessel stehen vor einem Fenster mit Ausblick. 

Konferenz mit Gott, Teil 1, zwei Sessel mit gedecktem Tisch vor einem großen Fenster

Schöpfer sitzt schon da und lächelt mich geduldig an. “Komm, mein Kind, du wolltest mit mir reden? Was bedrückt dich denn?”, fragt er und blickt mich erwartungsvoll an. Ich atme tief durch, irgendwie bin ich nervös geworden und fühle mich unwohl. Darf ich überhaupt um sowas bitten? “Atme tief durch, Lorena, ich habe dich lieb, egal was du denkst oder sagst”, meint Schöpfer, als hätte er meine Gedanken gelesen. Hat er vermutlich auch, aber ich weiß, dass er es bevorzugt, mit mir zu reden. Wirklich und auf Augenhöhe. Wie man das eben macht, wenn man eine Beziehung zueinander hat. Also gebe ich mir innerlich einen Ruck, setze mich auf den Sessel und knete nervös meine Hände. 

“Also weißt du, es ist so…”, beginne ich, “ich bin im Moment nicht wirklich zufrieden. Wie du weißt, plagen mich noch immer meine Finanzen. Ich traue mich schon gar nicht mehr auf mein Konto zu schauen, weil ich das Minus und das leere Sparkonto nicht ertrage. Hast du mir nicht versprochen, dass du mich beschützt und dich um mich kümmerst?” Anklagend blicke ich ihn an. “Ich will mit meiner Arbeit eine Brücke zwischen dir und den Menschen schlagen, will wieder Liebe in ihre Leben bringen und schlussendlich sie wieder näher zu dir bringen. Aber niemand scheint es zu erkennen. Und vor lauter Geldsorgen weiß ich gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.” Ich spüre, wie sich meine Augen mit Tränen füllen. “Ich will doch etwas gutes in der Welt bewirken, etwas sinnvolles leisten. Ist es da in deinem Sinn, dass ich mich kaum über Wasser halten kann und jetzt vielleicht noch einen zweiten Nebenjob annehmen muss? Du hast gesagt, dass du dich um mich kümmerst!” 

Ich merke selber, dass ich mich anhöre wie ein kleines Kind. Und so fühle ich mich auch. Ich bin enttäuscht. So richtig enttäuscht, eine Enttäuschung, die in mir nagt und mein Vertrauen erschüttert. Ich weiß, wie ich mich als Kind gefühlt habe, wie frei es sich anfühlte, wenn ich wusste, die Erwachsenen kümmern sich um alles und ich darf spielen, fröhlich sein und einfach ich sein. Warum jetzt nicht mehr? Ist Schöpfer nicht sowas wie der himmlische Papa? Der, aus dem wir kommen, dessen Teil wir alle sind? Wie kann er dann wollen, dass es uns nicht gut geht?

“Mein liebes Kind”, sagt er mit sanfter Stimme, “es ist nicht meine Absicht, dass es dir schlecht geht. Ich freue mich viel mehr, wenn es dir hier gut geht und du in Freude lebst. Nichts könnte mich glücklicher machen, als wenn du glücklich bist. Sieh mal, ich glaube, wir haben da ein kleines Missverständnis. Ja, ich bin Papa und ja, ich bin auch Chef. Beides geht zusammen und es bedeutet auch, dass ich mich um dich kümmere. Aber das geht nur, wenn du es zulässt. Du machst dir über so viele Dinge Sorgen, hast sie an dich gerissen und versuchst aus deiner irdischen Perspektive die Lösung zu finden. Das kann aber nicht gehen, denn Angst war noch nie ein guter Ratgeber und die irdische Perspektive ist viel zu begrenzt. Frage dich, was würde die Liebe dir raten?”

Ich runzle die Stirn. “Was würde die Liebe mir raten?”, murmele ich vor mich hin. “Nein, du denkst schon wieder mit dem Verstand. Der kann dir dabei nicht helfen. Er ist für andere Dinge gedacht. Nimm meine Hand, ich leite dich an. Wir besuchen jetzt dein Herz. Damit siehst du viel besser.” Er streckt mir die Hand entgegen und ich ergreife sie. Plötzlich spüre ich meinen steten Herzschlag klar und deutlich. Er breitet sich aus, bis ich mich ganz davon umgeben fühle. Und plötzlich spüre ich Freude. “Oh wie schön, du besuchst mich!”, höre ich eine freudige Stimme. Verwirrt blicke ich mich um, kann aber niemanden erkennen. “Ich bin alles”, sagt die Stimme. “Ich bin die Liebe. Ich wohne in deinem Herzen und in allem was ist. Ich bin die Schöpfung.” Ich blicke Schöpfer an, fragend, suchend. Er lächelt milde: “Ja, ich bin auch die Liebe. Aber ich glaube, gerade kannst du mich noch nicht so sehen, deshalb wollte ich sie dir vorstellen.”

Also gut, ich bin noch skeptisch, aber ich lasse mich darauf ein. “Okay, Liebe, was würdest du mir denn raten in meiner aktuellen Situation?”, frage ich. “Atme, Lorena, und gib ab, was du nicht beeinflussen kannst. Du wirst an die Stellen geführt, an denen du etwas tun musst. Vertrau uns.” “Vertrauen?”, frage ich zweifelnd. “Ich weiß gar nicht, wie das geht. Wie soll ich denn in etwas vertrauen, das gar nicht da ist?”, wundere ich mich. Ich höre ein leises Lachen. “Aber wir sind doch da, Dummerchen. Immerhin redest du gerade mit uns!”. “Ja, aber…” “Ich weiß”, seufzt die Liebe, “es ist schwer, einfach so zu vertrauen, wenn du das Vertrauen in uns schon so lange aufgegeben hast und niemand dir gezeigt hat, wie das geht. Deshalb machen wir jetzt Teambuilding”, jubelt die Liebe.

Teil 2 gibt’s hier

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